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Der letzte Gottesdienstbesuch geht mir gar nicht aus dem Kopf.
Die Lesung über Hiob berührte mich in besonderer Weise, weil wir uns in diesen Tagen vielleicht auch so fühlen wie er.
Die Pandemie stellt alles auf den Kopf, bringt alles durcheinander, was wir uns so schön eingerichtet haben, an das wir gewohnt waren.


Es geht an unsere Existenz, ja, und auch allein bei uns Menschen sterben mit und durch COVID in täglichen Größenordnungen, die einem Flugzeugabsturz entsprechen, wie es ein Zeitungsartikel formulierte.
Das macht uns Angst, weil wir die Hilflosigkeit auch bei denen spüren, die unsere Gesellschaft führen.
In dieser Situation kommt mir wieder der Satz „Not lehrt beten“ in den Sinn. Beten - eine Fähigkeit, die uns in unserer säkularisierten westlichen Welt immer mehr abhandengekommen ist.
Beten ist Dialog mit Gott, das heißt aber, dass wir natürlich auch einen Gesprächspartner, der Gott ist, akzeptieren müssen.
Hiob tritt auch in den Dialog mit Gott: Er bittet nicht, er klagt an! Ja, er nimmt Gott tatsächlich „ins Gebet“. Wir kennen das große und laute Wehklagen bei anderen Kulturen: Das tut gut, es hat reinigende Wirkung, einfach mal den Schmerz hinauszuschreien, Verzweiflung zu artikulieren - um dann aber auch einmal zur Ruhe zu kommen, zu hören und zu spüren, was Gott uns sagen will.
Die Gesellschaft ist im „Lockdown“ – aber die Kirchen sind offen.
Gehen wir einmal hinein, auch ohne offiziellen Gottesdienst.
Gehen wir hin, hadern wir durchaus mit unserem Gott, nehmen wir ihn ins Gebet und vertrauen wir dann aber auch darauf, dass er es wieder gut macht, dass er bei uns ist, dass er uns trägt.
Im Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (GL 424) heißt es zum Schluss:
„Denn welcher seine Zuversicht, auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“

Peter Pospiech

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