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Pfarrvikar Karwath predigt in der Christmette: – Weihnachten 2015 rückt die Christen noch einmal näher an das Land, in dem vor über 2000 Jahren Jesus Christus geboren wurde: das Land gehörte damals zur römischen Provinz Syrien, d. h. Jesus wurde im damaligem syrischen Gebiet geboren. Auch wenn das heutige Syrien nicht mehr gleichzusetzen ist mit der seiner Zeit römischen Ordnung, verbindet uns gerade zu Weihnachten die Herkunft der Flüchtlinge aus diesem Land. Mit der freundlichen Willkommenskultur in Deutschland ist es aber nicht getan, denn um die Menschen hier wirklich ankommen zu lassen, bedeutet sie so zu integrieren, dass sie sich in der europäischen Kultur zurecht finden, lernen mit ihr zu leben, dass sie aber auch ihre eigene Identität bewahren können. Beide Seiten werden bereit sein müssen voneinander zu lernen und sich zu akzeptieren. Dazu gehören insbesondere die beiden großen Religionen, Christentum und Islam. Pfarrvikar Matthias Karwath sprach dazu in seiner Predigt bei der Christmette in Kürnach St. Michael am Heiligen Abend.

Karwath Pfarrvikar erzählte dazu eine persönliche Erfahrung während seiner Straßenexerzitien in Hamburg. Dabei handelte es sich um Exerzitien, bei denen er an Plätzen und Orten in der Stadt unterwegs war, die zu sozialen Brennpunkten gehören. Dort wurde er von einem muslimischen Frisör zum Tee eingeladen. Während des Gespräches fragte ihn der Mann, ob er gläubig wäre. Karwath bejahte dies und ergänzte, dass er an Jesus Christus glaube. Der muslimische Mann gab ihm darauf zu verstehen, dass auch er im Islam an Jesus Christus als einen Prophet glaube. Doch solle er – Karwath - an Mohamed glauben als den letzten „gültigen“ Propheten.

Im weiteren Verlauf des Austausches ging das Gespräch in eine Art Missionierungsversuch über, in dem ihn der Muslim überzeugen wollte, Moslem zu werden. Pfarrvikar Karwath berichtete dass an diesem Punkt für ihn das Gespräch beendet werden musste, da er sich nicht auf eine Missionierung einlassen wollte.

Ausgehend von dieser Erfahrung führte der Pfarrvikar aus, dass beide Religionen – Islam und Christentum – Gefahr laufen, den falschen Wege zu gehen um zueinander zu kommen. Es sei in der Frage der Integration bedeutsam, dass wir im Bereich der Religionen lernen, einander zuzuhören, wie jede und jeder glaubt, ohne uns gegenseitig zu missionieren.

Für uns Christen ist dabei aber auch die Innenschau äußerst wichtig und eine Chance der Erneuerung im Glauben, denn wir sind in der Gefahr, dass „der christliche Glaube verdunstet“. Dazu gehört „ein offenes Bekenntnis zum eigenen Glauben um uns dem islamischen Glauben stellen zu können.“ – „Wir werden angefragt nach unserem Glauben“, wie es Matthias Karwath bei seinen Straßenexerzitien selbst erlebt hat.

„Das sei nicht immer einfach“, so Matthias Karwath. Denn der Glaube an einen dreifaltigen Gott ist herausfordernd und kompliziert. Aber dieser Gott der Christen ist „ein Gott der dem Menschen nahe kommen will. An Weihnachten geschieht das in Gottes Sohn Jesus Christus.“

Im Verlauf seiner weihnachtlichen Predigt gibt Pfarrvikar Karwath auch konkrete Hilfen, die jeden Christen begleiten könnten in der Begegnung der anderen Religion: das bedeute

  • Keine pauschalen Abwertungen

  • Wissen, dass das Wesen des Islam die Barmherzigkeit ist

  • Achtung und Wertschätzung füreinander

  • Abgrenzung beider Religionen, auch politisch

Politische Abgrenzung bedeutet für Karwath dabei,  für den Islam v. a. vom Islamischen Staat, für das Christentum von einer westlichen Wirtschaftsordnung der Ausbeutung und der Schaffung von Armut. Das sind Forderungen, die uns auch in unserem eigenen Wohlstand hinterfragen.

Am Ende dieser Predigt könnte man das Fazit feststellen: Klare Herausforderungen in der Heiligen Nacht, die auch damals alles andere als verklärend war. Weihnachten trifft uns aber in unseren innersten Bedürfnissen nach Liebe, Gerechtigkeit und Frieden. Jede und jeder einzelne von uns trägt mit seinem Leben dazu bei. Nichts anderes will dieser Gott, der in seinem Sohn bei den Menschen geboren wurde.

Gedanken einer Predigt, die hoffentlich nicht nur gehört wurden sondern auch zum Weiterdenken anregen.

In diesem Sinne „Gesegnete Weihnachtszeit“. pl

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